Lama & Alpaka Typen

Lama- & Alpaka-Typen    
(mit freundlicher Genehmigung der Autorin Dr. med. vet. Gunsser)

Vor zehn Jahren existierten wohl für die meisten von uns Kameliden-Freunden in Europa nur das Lama und das Alpaka. Diese beiden ließen sich relativ leicht beschreiben: Lamas waren die großen Tiere, im Körperbau wie Guanakos, jedoch in verschiedenen Farben. Und Alpakas, das waren die kleinen Wollknäule auf vier Beinen, ebenfalls in verschiedenen Farben. Mit wachsendem Interesse an der Zucht dieser eindrucksvollen Tiere, welches nicht zuletzt durch die Gründung von Neuweltkamelidenvereinen verstärkt wurde, begannen lebhafte Diskussionen über die verschiedenen Lama-/Alpaka-Typen, wie sie in Süd- und Nordamerika angetroffen werden. 
So entstand nach einem Artikel in LAMAS (R. Guldenschuh, "Lamatypen", Frühjahr 1994) eine temperamentvolle "Streitkultur" über die in Südamerika als Ccara Sullo (entspricht dem Classic Lama), Tapada und Lanuda (Wolllamas mit unterschiedlicher Struktur der Faser) und Huarizo (Kreuzung von Lama und Alpaka) gezüchteten Tiere.
Die genetische Vielfalt dieser Tiere ermöglichte das Entstehen von verschiedenen attraktiven Typen, die - wie wir es auch aus den Zuchtergebnissen von anderen Tierarten kennen - im Allgemeinen auch weiterhin einem ständigen Wandel unterworfen sein werden.

Alpaka-Typen: Huacaya und Suri

Alpakas werden in Südamerika zur Wollproduktion gezüchtet. Da die Qualität der Wolle und das Wolllängenwachstum mit zunehmendem Alter deutlich abnimmt, werden die Tiere im Allgemeinen mit 5-6 Jahren geschlachtet. In Nordamerika und Europa sind Alpakas als Haus- und Begleittiere geschätzt, die Wolle wird eher im kleinen Rahmen verarbeitet. Es gibt zwei Typen: Huacaya- und Suri-Alpakas. Zur Zeit existieren auf dem Globus mehr Huacaya- als Suri-Alpakas.

Charakteristik: Huacaya-Alpaka
Stockmaß 75 cm bis 100 cm, starke Bewollung vom Kopf bis zu den Zehen. Kopfform eher dreieckig, speerförmige Ohren. Schwanzansatz etwas tiefer als die verlängerte Rückenlinie.
Faser: Dichte feine, gleichmäßige Faser mit gleichmäßiger Kräuselung (Crimp) und Strähnenbildung. Wenige feine Grannenhaare, möglichst keine Grannenhaare im Bereich der Decke (Rumpfbereich). Ca. 25 verschiedene Farbtöne, einfarbig oder mehrfarbig.

Charakteristik: Suri-Alpaka
Exterieur, Bewollung, Kopfform und Farbe ähnlich dem Huacaya-Alpaka. Die speerförmigen Ohren sind ca. 2 cm länger, durch die am Körper herabhängende Faser, die sich am Rücken scheitelt, wirken die Tiere schmaler. Faser: Dichte feine, glänzende, gleichmäßige Faser ohne Kräuselung (ohne Crimp). Stapelhöhe (natürliche Länge) länger als bei Huacaya-Alpakas. Unterschiedliche Form der Strähnen: Gelockt oder gerade.

Lama-Typen: Leicht-, mittel-, stark bewollt, Suri

Lamas werden in Süamerika als Lasttiere und als Fleischlieferanten gezüchtet, in manchen Gegenden auch als Wolllieferanten. In Nordamerika und Europa sind sie als Haus- und Begleittiere für Freizeit und Sport beliebt. Die Wolle wird im Allgemeinen als ein angenehmes Nebenprodukt angesehen. Es existieren einfarbige und mehrfarbige Tiere in ca. 25 verschiedenen Farbschlägen. Ihr Stockmaß reicht von 100 cm bis 125 cm. Der Schwanzansatz befindet sich in Verlängerung der Rückenlinie. In den letzten Jahren wurde die Typenvielfalt durch Importe stark erweitert. Neben den leichtbewollten Lamas (Classic Lamas) finden Tiere mit einer sträkeren Bewollung immer mehr Liebhaber.

Charakteristik: Lama leicht-bewollt (Classic Lama)
Großrahmiges Tier, die Kopfform ist länglich, die Ohren sind gerade bis bananenförmig. Im Bereich der Ohren und des Kopfes sowie am Hals und den Beinen ist die Bewollung kurz. Am Körper findet sich eine längere Bewollung in Form einer Decke. Einige Tiere besitzen am Hals Grannenhaare ähnlich einer Mähne. Faser: Feine kürzere Unterwolle mit längeren kräftigen Grannenhaaren (doublecoated).

Charakteristik: Lama mittel-bewollt
Mittelgroßes bis großes Tier. Kopf- und Ohrenform wie beim leichtbewollten Lama. Die Bewollung im Bereich des Kopfes und der Beine ist kurz. Am Hals und am Körper ist die Faser länger, bei einigen Tieren reicht die längere Bewollung bis zur Mitte der Beine herab.
Faser: Feine, kürzere Unterwolle mit längeren, mittelfeinen Grannenhaaren. Stapelhöhe länger als beim leichtbewollten Lama.

Charakteristik: Lama stark-bewollt (Wooly Lama)
Kleineres bis mittelgroßes Tier mit unterschiedlich ausgeprägtem Skelett: Von zierlich mit schmalem, länglichem Kopf (z.B. Lamas chilenischen Ursprungs) bis sehr kräftig mit eher massivem Kopf (z.B. Lamas argentinischen Ursprungs). Eine starke Bewollung verläuft von den Ohren bis zum Sprunggelenk bzw. Handwurzelgelenk, bei einigen Tieren auch bis zu den Zehen.
Faser: Feine Faser, bei manchen Lamas auch leicht gekräuselt, wenige feine Grannenhaare, Stapelhöhe länger als bei mittel-bewollten Tieren.

Charakteristik: Suri-Lama (Lama stark-bewollt)
Kleineres bis mittelgroßes Tier. Unterschiedlich ausgeprägtes Skelett. Meist eher länglicher Kopf. Starke Bewollung von den Ohren bis zum Sprunggelenk, bei einigen Tieren auch bis zu den Zehen. Die Faser hängt seitlich am Körper herab, die Tiere wirken dadurch relativ schmal. Entlang der Rückenlinie bildet sich ein Scheitel.
Faser: Feine gleichmäßige, dichte glänzende Faser ohne Kräuselung (ohne Crimp). Die Strähnen sind entweder gerade oder gelockt. Bei einigen Lamas sehr lange Stapelhöhe. Der Suri-Typ ist verschieden stark ausgeprägt. Innerhalb der Gruppen der mittel- und der starkbewollten Tiere gibt es Übergangsformen.

Bis heute haben alle Interessierten einiges dazugelernt. Durch wissenschaftliche Untersuchungen der DNA bei 580 Neuweltkameliden in Südamerika (M.W. Bruford, J.C. Wheeler und R. Rosadio, 1999) ließ sich eine genetische ähnlichkeit zwischen Alpakas und Vikunjas sowie zwischen Lamas und Guanakos feststellen. Außerdem ergab die Untersuchung, dass diese Tiere zu einem hohen Anteil Kreuzungen (Hybriden) sind. Der Anteil der Hybriden betrug bei Alpakas 92 % und bei Lamas 40 %. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass es nicht möglich ist, allein aus dem Erscheinungsbild (Phänotyp) dieser Tiere eindeutig zu erkennen, ob es sich um ein Alpaka, ein Lama oder ein Hybrid handelt. Das bedeutet, dass eine eindeutige Zuordnung nur mit Hilfe einer DNA-Untersuchung gemacht werden kann.
Unabhängig davon, welche Lama- bzw. Alpaka -Typen in Zukunft bevorzugt gezüchtet werden, gibt es bei allen Neuweltkameliden Merkmale, auf die jeder verantwortungsvolle Züchter achten sollte. Dazu gehört ein gesunder Körper mit Extremitäten, die eine koordinierte fließende Bewegung ermöglichen, weiterhin Kiefer- bzw. Zahnstellungen, die so ausgerichtet sind, dass sich die Tiere ohne Zahnkorrekturen ein Tierleben lang problemlos ernähren können. Natürlich gehört auch ein gutes Immunsystem und Fruchtbarkeit zu den wichtigen Punkten in der Tierzucht. Und nicht zuletzt ist auch der "Haustier-Charakter" dieser Tiere wichtig, der das Zusammenleben mit anderen Haustierarten und vor allem natürlich mit dem Menschen so erfreulich macht.

Dr. Ilona Gunsser

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